Fotoband über den "Führer" Hitler in Bildchen

Publié le par Spiegel Online von Michael Sontheimer

Fotoband über den "Führer" Hitler in Bildchen

Ein Berliner Verlag hat erstmals eine "Bildbiografie" über Adolf Hitler veröffentlicht, den schlimmsten Massenmörder des 20. Jahrhunderts. Der Verlag nennt das kleine Buch "ein Wagnis" - und scheitert kläglich damit. 

Fotoband über den "Führer" Hitler in Bildchen

Adolf Hitler war ein narzisstischer Zeitgenosse, er war größenwahnsinnig und eitel. Bereits in den Zwanzigerjahren verfügte er, dass alle zur Veröffentlichung vorgesehenen Fotos von ihm entweder durch ihn persönlich oder seine Adjutanten freigegeben werden mussten. Ab 1935 gab es eine tägliche Vorlage von Hitler-Bildern, von der es heißt, der Führer schnitt bei den Fotos, die er für seine Volksgenossen für ungeeignet hielt, einfach mit der Schere eine Ecke ab.

Die Nationalsozialisten, die drei Monate nach Hitlers Ernennung zum Reichskanzler ein "Ministerium für Volksaufklärung und Propaganda" schufen, gaben sich von Anfang an größte Mühe, das öffentliche Bild ihres Führers und anderer wichtiger Parteigenossen sowie der gesamten Bewegung bis ins kleinste Detail zu kontrollieren.

Zu Hitlers Hoffotografen mit dem Titel "Reichsbildberichter" stieg sein alter Münchner Anhänger Heinrich Hoffmann auf, der zusammen mit den Fotografen seiner Agentur das öffentliche Bild des Diktators und führender Nazis im Stil einer feudalen Herrschaftsikonografie prägte. In seinem Atelier arbeitete auch Hitlers spätere Gattin Eva Braun.

"Führer"-Konterfei im Einmachglas

Der Fotograf Hugo Jaeger spezialisierte sich hingegen darauf, Hitler in Farbe zu verewigen. Gegen Kriegsende vergrub er in Westdeutschland rund 2000 Diapositive in Einmachgläsern in seinem Garten, um sie 1970 an die amerikanische Illustrierte "Life" zu verkaufen.

Was die Auswahl der Fotos von Hitler anging, gab es in Nazi-Deutschland strikte Leitlinien. Mit der Lesebrille beispielsweise, die er privat trug, durfte er keinesfalls abgebildet werden. Wenn er mit einem Hund zu sehen war, konnte es nicht sein Scotch-Terrier Burli sein, wohl aber Blondi, sein deutscher Schäferhund. In kurzer Lederhose durften die deutschen Volksgenossen ihren Führer nicht sehen. 

Dass sich sein Kollege, der italienische Faschistenführer Benito Mussolini, in der Badehose fotografieren ließ, fand Hitler völlig deplatziert. Er bevorzugte Bilder, auf denen er entschlossen in die Ferne blickte - in die großartige Zukunft seines "Tausendjährigen Reiches".

Unreflektiert, ängstlich, detailarm

Soviel über die Produktionsbedingungen und die Funktion der Hitler-Fotos sollte jeder mindestens wissen, der sich mit ihnen beschäftigt. Aus dem jetzt erschienenen Buch des "Focus"-Redakteurs Armin Fuhrer erfährt er das nicht. Es heißt im Untertitel "Bildbiografie", zeigt über 80 Fotos von Hitler, aber reflektiert nicht einmal im Ansatz die Ikonografie des Diktators. Der Autor legt auch nicht offen, welche Fotos bereits zu dessen Lebzeiten in Nazideutschland veröffentlicht wurden und welche erst später (Armin Fuhrer: Adolf Hitler - Bildbiografie, Berlin 2015).

Das Buch ist schon deshalb - noch freundlich ausgedrückt - eine Mogelpackung, weil auf der Mehrzahl der insgesamt 205 Bilder Hitler gar nicht zu sehen ist. Es gibt Bilder von den Olympischen Spielen 1936 in Berlin, der Schlacht von Stalingrad, von der D-Day-Invasion der Alliierten in der Normandie, dem Warschauer Getto und anderem mehr.

Wahrscheinlich hatten Autor und Verlag Angst davor, Hitler ohne den Kontext seiner Verbrechen zu zeigen und sich damit dem Vorwurf der Verharmlosung oder der Verherrlichung eines Massenmörders auszusetzen. Ebenfalls gemogelt: Nur in ganz wenigen Fällen handelt es sich um "kaum bekannte Fotos" aus den National Archives in Washington D. C. Viele der Fotos sind auch noch viel zu klein gedruckt, aus Bildern werden Bildchen, unentzifferbare Briefmarken.

Zu den Miniatur-Fotos kommen die ungenauen, detailarmen Bildunterschriften und die zu kurzen Texte. Auf 96 Seiten lassen sich das Leben Hitlers, der NS-Staat und der Zweite Weltkrieg nicht angemessen in Bild und Wort erzählen. In der Ankündigung des Verlags heißt es: "Die Adolf-Hitler-Bildbiografie ist ein Wagnis". Das stimmt. Aber niemand hat Autor und Verlag dazu gezwungen, dieses Wagnis einzugehen und so kläglich dabei zu scheitern.

Es klingt zynisch, wenn der Verlag erklärt, das Buch sei "für interessierte (jüngere) Menschen ohne breites Wissen" konzipiert. Auch die Ahnungslosesten hätten Besseres verdient. 

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Auch Massenmörder waren einmal unschuldige Babys: Adolf Hitler wurde am 20. April 1889 im österreichischen Braunau am Inn geboren. Seine Eltern waren der Zollbeamte Alois Hitler und dessen 23 Jahre jüngere Frau Klara Hitler. Nach dem Tod des Vaters zogen Hitlers Mutter und die Familie nach Linz, wo Hitler aufwuchs, ohne einen Schulabschluss zu schaffen. 

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Von wegen GröFaZ: Hitler (r.) mit bayerischen Kameraden in Frankreich. Nach erfolglosen Bewerbungen an der Wiener Kunstakademie und prekärer Existenz als Postkartenmaler im Männerheim kam der Erste Weltkrieg wie gerufen. Hitler meldete sich als Freiwilliger für die bayerische Armee. Aber als Meldegänger kam der spätere GröFaZ (Größte Feldherr aller Zeiten) über den Rang eines Gefreiten nicht hinaus.  

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Auf Agitationsfahrt: Der gescheiterte Künstler und völkische Bohemien machte sich zunächst einen Namen als nationalistischer Berufsredner in Münchner Bierkellern. Adolf Hitler auf Agitationsfahrt in Bayern (Aufnahme von ca. 1923). 

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Besuch von Freunden: Gemütliches Beisammensein in der Festung Landsberg am Lech - Gesinnungsgenossen besuchen den inhaftierten Hitler (l.). Er wurde wegen Hochverrats beim gescheiterten Novemberputsch 1923 zu fünf Jahren Festungshaft und 200 Goldmark Geldstrafe verurteilt. Als zweiter von rechts ist sein getreuer Gefolgsmann und späterer Stellvertreter Rudolf Heß zu sehen. 

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Im Zuchthaus: Hitler bei der Zeitungslektüre im Zuchthaus Landsberg, 1924. Obwohl er zu fünf Jahren Festungshaft verurteilt worden war und mit dem Schreiben von "Mein Kampf" gegen Haftauflagen verstoßen hatte, kam er schon nach weniger als neun Monaten wieder frei.

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Nachhilfe beim Opernsänger: Hitler redete für gewöhnlich lange und laut. Er entwickelte sein öffentliches Sprechen sehr bewusst weiter und ließ sich 1926 im Münchner Atelier seines Hoffotografen Heinrich Hoffmann beim Einstudieren von Posen aufnehmen. Später nahm er bei dem Opernsänger Paul Devrient Stimmbildungs- und Rhetorik-Unterricht. Allerdings verheimlichte er dies - der "Führer" braucht keine Nachhilfe. 

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Aufmarsch in Weimar: Hitler nahm im Oktober 1930 auf dem Marktplatz in Weimar die Parade von SA-Männern ab. Wenige Wochen zuvor war die NSDAP bei den Wahlen zum Reichstag mit 18,3 Prozent der Stimmen nach den Sozialdemokraten zur zweitstärksten Fraktion geworden. 

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NS-Light-Show: Die Nationalsozialisten liebten pompöse Inszenierungen. Höhepunkte ihrer Selbstdarstellungen waren die Reichsparteitage in Nürnberg, auf denen, wie auf dem "Reichsparteitag der Ehre" im September 1936 (Foto), mithilfe von Flakscheinwerfern Lichtdome in den Nachthimmel projiziert wurden. Hinter Hitler stehen Robert Ley und Rudolf Heß. 

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Frenetischer Jubel für den Diktator: Hitler feierte auf dem Heldenplatz in Wien am 15. März 1938 den Anschluss Österreichs. Hunderttausende jubelten ihm begeistert zu - doch nach dem Krieg stellten die meisten Österreicher sich und ihr Land als unschuldige Opfer Hitlers hin. 

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Posieren vor dem Eifelturm: Nach dem siegreichen Blitzkrieg gegen den "Erbfeind" Frankreich reiste Reichskanzler Hitler nach Paris. Links von ihm sein Lieblingsbaumeister Albert Speer, rechts der Bildhauer Arno Breker (Aufnahme vom 23. Juni 1940). Hitlers Beliebtheit erreichte in Deutschland im Sommer 1940 ihren Höhepunkt. 

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An der Ostfront: Hitler beim Truppenbesuch an der Ostfront, auf einem Feldflugplatz in der Nähe von Uman, als es in Russland noch voran ging (Aufnahme von Ende August 1941). Hitlers Popularität bei den Deutschen ging schlagartig zurück, nachdem er am 22. Juni 1941 die Wehrmacht in die Sowjetunion einmarschieren ließ. 

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Nur Blondi darf aufs Foto: Hitler hatte genaue Vorstellungen davon, welche Fotos von ihm veröffentlicht werden durften und welche nicht. Fotos mit einem der beiden Scotch-Terrier seiner Geliebten Eva Braun durften nicht publiziert werden - nur Fotos, auf denen er mit einem deutschen Schäferhund zu sehen ist, wie hier mit Blondi. Bilder, die ihn mit seiner Geliebten Eva Braun zeigten (hier am 14. Juni 1942 auf dem Obersalzberg) waren allerdings tabu. 

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Lagebesprechung: Hitler hielt sich für ein militärisches Genie und entließ Generäle, die ihm widersprachen. Bei einer Lagebesprechung im Hauptquartier der Heeresgruppe Weichsel im März 1945 stehen hinter ihm (v. l.): General Wilhelm Berlin (General der Artillerie im OKW), General Robert Ritter v. Greim (Kommandeur der Luftflotte 6) General-Major Franz Reufl (Kommandeur einer Flieger-Division), General Job Odebrecht (Kommandierender General des II. Flak-Korps) und General-Oberst Theodor Busse (Kommandeur der 9. Armee).   

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Letztes Aufgebot: Hitler zeichnet am 20. März 1945 im Garten der Neuen Reichskanzlei Hitlerjungen und HJ-Führer aus, die sich als letztes Aufgebot für den Volkssturm bei der Verteidigung besonders tapfer geschlagen haben. Links neben ihm steht der Reichsjugendführer Artur Axmann

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Deutschland in Trümmern: Am 21. April 1945, einen Tag nach seinem 56. Geburtstag und neun Tage vor seinem Selbstmord, besichtigte Adolf Hitler zusammen mit seinem Adjutanten Julius Schaub die schweren Schäden, die Bomben der Alliierten der Neuen Reichskanzlei zugefügt haben. Der Führer fand, dass sich die Deutschen, die den Krieg verloren hatten, seiner als nicht würdig erweisen hatten - darum sollten sie mit ihm untergehen. 

Publié dans Articles de Presse

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