Cornelius Gurlitt

Publié le par Kunst Museum Bern

Das Legat Cornelius Gurlitt umfasst rund 1‘600 Kunstwerke. Über den zeitlebens in Abgeschiedenheit lebenden Stifter ist nur wenig bekannt, auch lässt sich über seine Beweggründe, die Stiftung Kunstmuseum Bern testamentarisch zur Alleinerbin seines Vermögens zu bestimmen, lediglich spekulieren.

 Cornelius Gurlitt, 1960er Jahre © Bundesarchiv Koblenz

Cornelius Gurlitt, 1960er Jahre © Bundesarchiv Koblenz

Rolf Nikolaus Cornelius Gurlitt wurde am 28. Dezember 1932 als Sohn des Kunsthistorikers Hildebrand Gurlitt (1895–1956) und der Tänzerin Helene Gurlitt (geb. Hanke, 1895–1968) in Hamburg geboren. Nachdem das Kunstkabinett seines Vaters Ende 1941 durch Fliegerangriffe schwer beschädigt worden war, zog die Familie nach Dresden in Hildebrands Elternhaus. Dieses wurde beim Bombenangriff in der Nacht zum 14. Februar 1945 fast vollständig zerstört, worauf die Gurlitts in Aschbach (Oberfranken) eine provisorische Bleibe fanden. Während Hildebrand Gurlitt wegen seiner Tätigkeit als Kunsthändler im «Dritten Reich» von den Alliierten zwei Jahre unter Hausarrest gestellt und mehrfach verhört wurde, besuchten Cornelius und seine zwei Jahre jüngere Schwester zunächst die Odenwaldschule, bis die Familie 1948 nach Düsseldorf übersiedelte. Nach dem Abitur begann Cornelius Gurlitt in Köln ein Studium der Kunstgeschichte, Musikgeschichte und Philosophie und liess sich parallel dazu in den Werkstätten des Kunstmuseums Düsseldorf zum Restaurator ausbilden. Das Studium schloss er nie ab, die Ausbildung zum Restaurator hingegen beendete er erfolgreich. In den Jahren 1959 und 1960 arbeitete er als Gemälderestaurator für das Kunstmuseum Düsseldorf. Weitere berufliche Stationen sind nicht bekannt.

Vermutlich sicherte sich Cornelius Gurlitt seinen Lebensunterhalt fortan durch den stückweisen Verkauf des familiären Kunstbesitzes aus dem Nachlass seines Vaters. Bis zum Bekanntwerden des Kunstbesitzes im Jahr 2012 führte er ein zurückgezogenes Leben in München und Salzburg.

Im September 2010 nahm die Staatsanwaltschaft Augsburg nach einer Zoll-Kontrolle im Zug von Zürich nach München Ermittlungen gegen Cornelius Gurlitt wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung auf. Im Frühjahr 2012 wurde seine Münchner Wohnung durchsucht und die aufgefundenen Kunstwerke sichergestellt. Erst im November 2013 wurde Kunstfund durch einen Artikel im Magazin Focus als «Nazischatz» bekannt. Die anschliessende Medienkampagne setzte Cornelius Gurlitt gesundheitlich stark zu. Nach Verhandlungen mit den Behörden willigte er in die Erforschung seines Kunstbesitzes ein und erklärte sich als erste Privatperson bereit, die Washingtoner Prinzipien (1998) anzuwenden und erwiesene Raubkunst an die Nachfahren der rechtmässigen Besitzer zurückzugeben. Am 6. Mai 2014 starb Cornelius Gurlitt mit 81 Jahren in München. In seinem Testament hatte er die Stiftung Kunstmuseum Bern als Alleinerbin benannt. 

Publié dans Articles de Presse

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