Juristen erinnern an Lischka-Prozess

Publié le par Kölner Stadt-Anzeiger

Juristen erinnern an Lischka-Prozess

Köln. Juristen und Historiker erinnern in Köln mit einer Tagung an die Justiz in der NS-Zeit. Am 28. Mai werden Ergebnisse des Forschungsprojektes "Kölner Justiz im Krieg" zur Aufarbeitung der Justizgeschichte im Raum Köln-Bonn-Aachen von 1939 bis 1945 vorgestellt, wie das Kölner Verwaltungsgericht am Donnerstag mitteilte. Im Rahmen des vierten historischen Justiz-Symposiums werde auch eine Gedenktafel am Gerichtsgebäude Appellhof angebracht, die an den Prozess um das hochrangige SS-Mitglied und Juristen Kurt Lischka erinnert.

Erst 1980 wurde der NS-Verbrecher und Kölner Jurist Kurt Lischka (r.) verurteilt

Erst 1980 wurde der NS-Verbrecher und Kölner Jurist Kurt Lischka (r.) verurteilt

Zu dem Festakt wird neben NRW-Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU) und dem Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) auch Beate Klarsfeld erwartet. Die deutsche Journalistin, verheiratet mit dem Franzosen Serge Klarsfeld, setzt sich seit Jahrzehnten für die Aufklärung und Verfolgung von NS-Verbrechern ein. Zusammen mit ihrem Mann Serge wies sie mit detaillierten Dokumentationen auf zahlreiche, unbehelligt lebende nationalsozialistische Täter hin, darunter Kurt Lischka, Alois Brunner, Klaus Barbie, Ernst Ehlers und Kurt Asche.

Kurt Lischka war seit Mitte der 30er Jahre für die Gestapo tätig. Der promovierte Jurist hatte entscheidende Ämter des NS-Regimes inne und war unter anderem für die nach der Reichspogromnacht erfolgten Massenverhaftungen deutscher Juden verantwortlich. Zeitweilig leitete er die "Reichszentrale für jüdische Auswanderung", die Emigranten vor deren Auswanderung ihres Vermögens beraubte. 1940 war Lischka Gestapochef im Kölner EL-DE-Haus. Lischka, der es bis zum SS-Obersturmbannführer brachte, war als Polizeichef von Paris an den Deportationen von Zehntausenden Juden in die Konzentrationslager des Ostens beteiligt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte Lischka zunächst unbehelligt in Köln. 1980 verurteilte ihn das Schwurgericht des Landgerichts Köln wegen Beilhilfe zum Mord zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren. Neun Jahre zuvor hatte Beate Klarsfeld mit ihrem Mann versucht, Lischka aus Deutschland zu entführen und der Justiz in Paris auszuliefern. Beate Klarsfeld wurde dafür 1974 zu zwei Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Der Kriegsverbrecher Lischka dagegen blieb zunächst auf freiem Fuß, bis er in Köln verurteilt wurde. (kna)

Publié dans Articles de Presse

Pour être informé des derniers articles, inscrivez vous :
Commenter cet article