Abschied von einer stillen Frau: Die gebürtige Meißnerin Helga Göring ist tot

Publié le par DNN Online Norbert Wehrstedt, Torsten Klaus

Dresden. Ihr Wunsch war, auf der Bühne oder vor der Kamera umzufallen und tot zu sein. Mitten heraus aus der Arbeit. 68 Jahre alt war Helga Göring, als sie das in einem Interview sagte. Da lagen bereits 50 Berufsjahre hinter ihr. Am 3. Oktober ist, wie erst jetzt bekannt wurde, die bekannte und beliebte Schauspielerin, die nie verheiratet war und deren 55-jährige Tochter Manja heute in Bulgarien lebt, im Alter von 88 Jahren gestorben - in einem Berliner Pflegeheim.

 

Helga Göring wurde 88 Jahre alt

Helga Göring wurde 88 Jahre alt

Geboren wurde sie 1922 in Meißen, wo sie äußerst behütet aufwuchs. Das Elternhaus, eine schöne Villa am Ratsweinberg, bietet Helga und der vier Jahre älteren Schwester Doris Geborgenheit und bildungsbürgerliche Solidität. Der Vater Hugo Göring, ein Augenarzt, ist gebürtiger Rheinländer. Die Mutter, Gertrud Göring, eine Dresdnerin, um eine Generation jünger als der Vater, wird als jugendlich-heitere Frohnatur beschrieben. Der Theatertod von einer Cousine im Weihnachtsmärchen des Meißner Stadttheaters ist wohl Helga Görings erste Konfrontation mit der Welt der Bühne, die später maßgeblich für sie werden sollte.

Ihre Ausbildung absolviert sie von 1938 bis 1940 an der Schauspielschule der Akademie für Musik und Theater in Dresden, unter anderem bei Erich Ponto. Das Examen der Schauspielschule besteht die junge Göring mit Auszeichnung. In ihr erstes Engagement am Stadttheater Bielefeld ging sie mit 18 Jahren, Frankfurt am Main und das Hamburger Schauspielhaus folgten, letzteres bis zur kriegsbedingten Schließung der deutschen Theater 1944. Der Versuch einer Rückkehr nach Hamburg 1945 endet an der russischen Zonengrenze. 

In Stendal erhält sie ihr erstes Nachkriegsengagement, bereits 1947 wechselt sie an die Komödie Dresden, 1948 an die Volksbühne (Alberttheater) und schließlich 1950 an das Staatstheater Dresden. Zu Dresdner Erfolgen werden ihr Gretchen in Goethes „Faust" (1950, Regie Martin Hellberg), Johanna („Heilige Johanna", G.B. Shaw), die Franziska in Lessings „Minna von Barnhelm", Emilia („Emilia Galotti", Lessing, Regie Hellberg) und das Klärchen in Goethes „Egmont", ebenfalls unter Martin Hellberg.

Hellberg, damals Intendant, nahm sie 1951 mit zur DEFA, in sein Kino-Regiedebüt „Das verurteilte Dorf" (ein Bayerndorf wehrt sich gegen den Bau eines US-Militärflugplatzes). Helga Göring spielte das, was sie auch im Theater spielte: die Hauptrolle. Eine still leidende Ehefrau, die ihren Mann verlässt. Der melancholische Blick überzeugte. Sie wurde im DEFA-Film die einsame Frau, die ohne Mann die Last des Nachkriegs schultert. In der Kreidekreis-Variation „Zwei Mütter" machte sie das ebenso überzeugend wie im Landdrama „Schlösser und Katen" oder „Berlin - Ecke Schönhauser" als Mutter einer aufmüpfigen Tochter.

Lange blieb sie eine Hoch-Dramatische, an der die hohe Sprachkultur ebenso überzeugte wie das verinnerlichte psychologische Spiel. Seit 1962 beim Fernseh-Ensemble, spielte sie Dorothea Erxleben, Annette von Droste-Hülshoff, Käthe Kollwitz und in ihrer späten Glanzrolle „Die große Reise der Agathe Schweigert" nach Anna Seghers.

Was die DEFA bereits als skurrilen Kurzauftritt in „Mir nach, Canaillen!" gezeigt hatte, entdeckte Ende der 70er auch das Fernsehen: Helga Göring ist komisch. Da kamen dann „Rentner haben niemals Zeit", „Drei reizende Schwestern" (mit Ingeborg Krabbe und Marianne Kiefer), „Geschichten übern Gartenzaun" und die Reihe „Schauspielereien". Serien, die Helga Göring populär machten. Auch in Filmen wie „Spur der Steine", „Die Abenteuer des Werner Holt" oder „Das unsichtbare Visier" war sie zu sehen. Dass sie 13 Jahre im Radio „Neumann - zweimal klingeln" sprach, wussten wohl nur wenige.

Zu DDR-Tagen spielte Helga Göring weit mehr als 100 Rollen in Film und Fernsehen, wurde acht Mal zum Fernsehliebling gekürt, erhielt zweimal den Nationalpreis. Nach der Wende wurde es eher ruhig um sie. Dennoch blieb Helga Göring präsent und war immer mal wieder zu sehen: in Frank Beyers „Das große Fest", „Herz aus Stein", der Serie „Mit Herz und Schnauze" oder im April 2004 als Oma des Kölner Kommissars Freddy Schenk im Tatort „Hundeleben". Ihre letzte Rolle spielte sie 2007 in der TV-Komödie „Einmal Dieb, immer Dieb" an der Seite von Sascha Hehn.

Doch auch die Bühne hatte sie nie ganz aufgegeben. Mit dem Theater am Kurfürstendamm in Berlin wagte sie in den 90ern den Sprung selbst nach Hamburg. Und zurück nach Dresden, in die Komödie, wo sie unter anderem in „Witwenclub" (mit Krabbe und Kiefer) oder „Süßer die Glocken" zu erleben war.

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