Zwischen Hitlers Architekt und jüdischer Lehrerin

Publié le par Badische Zeitung

Zwischen Hitlers Architekt und jüdischer Lehrerin

Hilde Schramm liest vor Schülern der GHSE aus ihrem 2012 erschienen Buch "Meine Lehrerin, Dr. Dora Lux". 

Hilde Schramm bei ihrer Lesung in Emmendingen

Hilde Schramm bei ihrer Lesung in Emmendingen

KREIS EMMENDINGEN. "Sie war die erste deutsche Jüdin, die ich bewusst wahrnahm", schreibt Hilde Schramm in ihrem Buch, "wenige Jahre nach der Shoa eine aufwühlende Erfahrung". Hilde Schramm, Tochter von Albert Speer, der unter Hitler Architekt, Rüstungsorganisator und Reichsminister für Bewaffnung und Munition war und 1946 bei den Nürnberger Prozessen zu 20 Jahren Haft verurteilt worden war, setzte sich ihr ganzes Leben mit dem Nationalsozialismus auseinander.

"Für meine Selbstfindung war der Einfluss von Menschen entscheidend, die eine Gegenwelt zur NS-Ideologie verkörperten. Meine Lehrerin Dr. Dora Lux gab mir eine Ahnung davon, wie befreiend Humanität und Aufklärung sein können", stellt Schramm fest.

Dora Lux unterrichtete Hilde Schramm von 1953 bis zu deren Abitur 1955 in Geschichte. Sie war eine Frau, die unbekannt und leise gegen alle Widerstände ihren Weg gegangen ist. Sie gehörte zu den ersten Abiturientinnen in Deutschland, war eine Wegbereiterin des Frauenstudiums und setzte ihr Recht auf Bildung und Ausübung eines akademischen Berufs durch. Gleichzeitig war sie verheiratet und zog zwei Töchter groß. In der NS-Herrschaft verstieß sie gegen die Vorschrift, sich als Jüdin registrieren zu lassen – und überlebte.

In ihrem Vortrag an den GHSE verdeutlichte Hilde Schramm die Vorreiterrolle von Dora Lux. Die Schülerinnen und Schülern der Unesco-Projektschule waren sehr beeindruckt, interessierten sich aber noch mehr für Hilde Schramms eigene Erlebnisse und Erfahrungen während der NS- und Nachkriegszeit. Wie empfand sie als Kind die Nähe ihrer Familie zu Hitler? Wie sah ihre eigene Schulzeit aus, wenn der Vater 20 Jahre lang im Gefängnis saß? Wie wurde sie erzogen, welches Verhältnis hatte sie zu ihren Eltern?

Hilde Schramm, Mitglied der Grünen und viele Jahre für die Alternative Liste im Abgeordnetenhaus von Berlin, erhielt 2004 den Moses-Mendelssohn-Preis für ihr Engagement in der Stiftung Zurückgeben zugunsten künstlerischer und wissenschaftlicher Arbeiten noch unbekannter jüdischer Frauen.

Schulleiter Hermann Weiß freute sich, dass mit Hilde Schramms Besuch die Tradition der Unesco-Projektschule, einmal im Jahr eine Veranstaltung gegen das Vergessen zu organisieren, fortgesetzt wurde und dankte den beiden Koordinatorinnen Monika Bresch und Marlies Raub für die Organisation der Lesung. Der Besuch von Hilde Schramm an den beruflichen Schulen in Emmendingen wurde nicht zuletzt wegen des guten Kontakts der GHSE zur Katholischen Akademie in Freiburg ermöglicht. 

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