Deutsche in Argentiniens Geschichte

Publié le par Ruhr Nachrichten - Klaus Blume

Ruhr Nachrichtenpubliziert 09/07/2010 at 18:45 Uhr von Klaus Blume


Berlin (dpa) Argentinien feiert in diesem Jahr einen runden Geburtstag. Zweihundert Jahre ist es her, dass sich das Land am Rio de la Plata von Spanien unabhängig erklärte.

Bernd Wulffen ist ein Kenner Argentiniens
Zum «Bicentenario» ist das Land des Tangos, des Fußballs und der Rindersteaks auch Gastland auf der Frankfurter Buchmesse. Welche Spuren Deutsche in Argentinien hinterlassen haben, hat der Diplomat Bernd Wulffen erforscht und dazu rechtzeitig zur Messe ein Buch vorgelegt.

In «Deutsche Spuren in Argentinien» spannt Wulffen einen weiten Bogen von den deutschen Seeleuten, die mit den spanischen Entdeckern dorthin gelangten, bis zu den Treffen von Präsidentin Cristina Kirchner mit Bundeskanzlerin Angela Merkel oder den Auftritten der Toten Hosen in Buenos Aires. Die Beziehungen, so Wulffen, waren eigentlich fast immer freundschaftlich, und gerade in Wirtschaft und Wissenschaft haben Deutsche die Entwicklung des Landes beeinflusst.

Wulffen war von 1970 bis 1973 als Diplomat an der deutschen Botschaft in Buenos Aires. Er ist mit einer Argentinierin verheiratet und verbringt seit seiner Pensionierung jedes Jahr mehrere Monate in dem Land. Ein Landeskenner also. Er verbindet Quellenstudien mit Selbsterlebtem und zeichnet so ein lebendiges Bild Argentiniens.

Dass Argentinien ein beliebtes Ziel deutscher Auswanderer war, ist hinlänglich bekannt. Oft haftet ihnen noch das Nazi-Klischee an. Tatsächlich fanden nach dem Zweiten Weltkrieg Kriegsverbrecher wie KZ-Arzt Josef Mengele am La Plata Zuflucht. Doch das Gesamtbild ist viel differenzierter, wie Wulffen darstellt.

So waren vor dem Krieg auch viele Gegner des Nationalsozialismus nach Argentinien ausgewandert. 1933 kam es zu einer Spaltung zwischen national-konservativen und liberal-progressiven Deutschen. Die Parteigänger Hitlers hatten die «Deutsche La Plata Zeitung» als Sprachrohr, seine Gegner das «Argentinische Tageblatt».

Besonders belastet wurden die deutsch-argentinischen Beziehungen während der Militärdiktatur 1976 bis 1983, als bis zu 30 000 Menschen spurlos verschwanden. Bis heute wird der Bundesregierung vorgeworfen, nicht genug für die deutschen Opfer des Regimes getan zu haben, unter ihnen der Student Klaus Zieschank und die Sozialarbeiterin Elisabeth Käsemann. Beide wurden festgenommen und ermordet. Wulffen schreibt, höchste deutsche Stellen hätten sich für ihre Freilassung eingesetzt, aber nichts erreicht.

Die damalige Rolle Bonns gab auch bei der kürzlichen Vorstellung des Buches in Berlin noch Diskussionsstoff. Wulffen meint, dass ein Abbruch der diplomatischen Beziehungen gar nichts gebracht hätte. Er geht auch auf das Verhältnis der DDR zur Militärjunta ein: Während Ost-Berlin das Pinochet-Regime in Chile anprangerte, wurde die Junta in Buenos Aires aus wirtschaftlichen Interessen nicht kritisiert. DDR-Journalisten durften über Menschenrechtsverletzungen in Argentinien nicht schreiben - was auch Wulffens Verleger Christoph Links, vor der Wende Journalist der «Berliner Zeitung», bestätigte.

Nach zwei Kuba-Büchern Wulffens ist «Deutsche Spuren in Argentinien» das dritte Lateinamerikabuch des fleißigen Pensionärs. Neben aller Sympathie für das Land leuchtet er auch dessen Schwächen aus. Er lobt «Phantasie und Gestaltungswillen» der Argentinier und kritisiert den fehlenden Gemeinsinn. Argentinien sei wirtschaftlich zurückgefallen, habe sein Potenzial nie ausgeschöpft.

Etwas zu kurz kommen in dem Buch die sportlichen Beziehungen - denkt man doch bei Deutschland-Argentinien auch immer an Fußball-Schlachten bei den Weltmeisterschaften oder die Tennis-Duelle Steffi Grafs mit Gabriela Sabatini. Eine verzeihliche Auslassung. Ärgerlich ist, dass Wulffen Maradona zum Star der argentinischen Elf macht, die 1978 im eigenen Land Weltmeister wurde. Diego Armando war erst 1982 bei den Weltmeisterschaften dabei und führte Argentinien erst 1986 in Mexiko zum Titel.

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