Haftbefehl gegen SS-Brunner

Publié le par Der Spiegel

Dem früheren SS-Hauptsturmführer Alois Brunner, 72, soll in der Bundesrepublik der Prozeß gemacht werden. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Köln ist Mitte letzter Woche ein neuer Haftbefehl gegen den engen Mitarbeiter des Judenjägers Adolf Eichmann erlassen worden - Vorwurf: Beihilfe zum Mord in Tausenden von Fällen.

Haftbefehl gegen SS-Brunner

Brunner lebt nach Erkenntnissen der Ermittler in der syrischen Hauptstadt Damaskus. Dort betrieb er zusammen mit Eichmann, der 1962 in Israel hingerichtet wurde, die Handelsfirma "Kathar Office". Zur Zeit stellen die Ankläger die notwendigen Auslieferungsdokumente zusammen, die dann über das Bonner Auswärtige Amt der syrischen Regierung zugeleitet werden.

Bereits vor über 20 Jahren hatte die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt gegen Brunner, der sich auch Georg Fischer oder Georg Fescoer nennt, wegen SS-Greueln in Preßburg, Saloniki, Wien und Paris ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Danach ruhte die Akte lange Zeit.

Erst neue Dokumentenfunde veranlaßten die Kölner Staatsanwaltschaft, die für die juristische Bewältigung der sogenannten Endlösung der Judenfrage im besetzten Frankreich zuständig ist, zu weiteren Recherchen. Im Juli 1984 beauftragte der Bundesgerichtshof die Kölner,zentral die weiteren Ermittlungen zu führen.

Brunner, der sich nach dem Krieg über Rom und Ägypten in den Vorderen Orient absetzte, hat nach Erkenntnissen der NS-Fahnder als zeitweiliger Leiter des Durchgangslagers Drancy bei Paris mit dafür gesorgt, daß von dort aus Tausende Juden mit Sammeltransporten ins Konzentrationslager Auschwitz geschafft wurden. Außerdem befehligte er in Nizza ein Sonderkommando, dessen Aufgabe "ausschließlich darin bestand, Juden aufzuspüren und festzunehmen". (Ermittlungsbericht). Auch sie wurden nach Drancy verschleppt.

Für Brunner arbeiteten zahlreiche, meist französische V-Männer, die für ihre Spitzelarbeit Kopfprämien erhielten. Über deren Bezahlung heißt es in einem Vermerk des Befehlshabers der Sicherheitspolizei Frankreich (IV B-BdS SA 225 a, "geheim"): "Geld dürfte hierbei keine Rolle spielen. Vorschlag: pro Jude 100 frs."

Publié dans Articles de Presse

Pour être informé des derniers articles, inscrivez vous :
Commenter cet article