Hoffmanns Erzählungen - Inzwischen Tatsache geworden

Publié le par Der Spiegel

Behäbig schob Johannes Hoffmann, seinen repräsentativen Körper in die Tür des großen Eckhauses an der Ursulinerstraße in Saarbrücken. Vom Parteihaus der CVP aus war der 57jährige 1. Vorsitzende mit dem mächtigen blanken Schädel an der Spitze seiner Christlichen Volkspartei in den Landtagswahlkampf gezogen. Und nach hier kehrte er jetzt zurück, gerade mit 47 Stimmen bei einer Enthaltung zum ersten Ministerpräsidenten des autonomen Saargebiets erkoren.

Hoffmann JohannesDie Glückwünsche waren nicht überschwänglich. Denn jedermann in Saarbrücken hatte schon lange vor der Wahl gewußt, daß der Landtagspräsident Ministerpräsident seiner knappen Million Landsleute werden würde. In der größten Saarpartei gibt es niemand, der ihrem stärksten Mann Paroli bieten könnte.

Aber die Ursulinerstraße gab nur widerstrebend eine parteiamtliche Bestätigung. Sie wollte den Verfechtern des totalen politischen Saar-Anschlusses an Frankreich kein Wasser auf ihre Mühlen geben.

Die behaupteten nämlich, der Mann mit, den scharfen Augen hinter Brillengläsern wolle partout auf, einem Ministerpräsidentensessel sitzen, und nur deswegen sei er für die Autonomie.

Die Deutschfreundlichen wiederum wollten wissen, der Mann aus ländlichen katholischen Kreisen, der wie Stresemann , aussieht, betrachte die Autonomie ja nur als Uebergang zum politischen. Anschluß an Frankreich. Dies zu widerlegen, fiel dem alten Journalisten nicht ganz leicht. Denn was sich an der Saar tut, steht Häufig in auffallendem Gegensatz zu den offiziellen Selbständigkeitsversprechungen, mit denen der gewandte Redner sich verteidigte.

Schon während des Krieges konnte man sich von seiner glänzenden Rhetorik überzeugen, wenn man Radio Paris anstellte. Von hier aus sprach er 1940, denn nach der 1935er Abstimmung hatte er als Chef des Christlichen Volksbundes vor den Nazis das Feld räumen müssen. Was er damals an Düsterem prophezeite, ist inzwischen Tatsache geworden.

"Die Saar wird Brücke zwischen Ost und West, aber nicht Brückenkopf des Westens sein", sagte er, als er vor einem knappen Jahr seine "Saarländische Volkszeitung" ein paar Tage im Stich ließ und nach Paris flog. Viele sind nicht davon überzeugt, daß er auch diesmal wieder recht behält.

Nicht leicht zu widerlegen, Johannes Hoffmann hat es geschafft.

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