Otto Ambros

Publié le par Der Spiegel

89. In der Todesanzeige bescheinigt ihm seine Familie den Lebenslauf eines Ehrenmannes: "Sein Leben war erfüllt durch seine berufliche Begeisterung für die Chemie und das Glück in der Familie."

Ambros OttoAmbros, als Mitglied des IG-Farben-Vorstandes einer der wichtigsten der sogenannten Wehrwirtschaftsführer der Hitler-Diktatur, wurde 1948 vom amerikanischen Militärgericht in Nürnberg wegen "Versklavung und Massenmord" zu acht Jahren Haft verurteilt. Der Chemiker hatte für gute Zusammenarbeit zwischen Nazis und chemischer Industrie gesorgt.

Beim Rüstungsamt leitete er den Hauptausschuß "Pulver und Sprengstoffe" sowie einen Sonderausschuß "Chemische Kampfmittel". Seine "Freundschaft mit der SS", die sich, wie er damals schrieb, "sehr segensreich" auswirkte, verschaffte der IG Farben Vorrang bei der Zuweisung von KZ-Häftlingen.

Höchstpersönlich betreute Ambros den Aufbau des 4. Buna-Werkes in Auschwitz, wo Zwangsarbeiter synthetisches Benzin herstellten. Seine Haftstrafe mußte Ambros nach Intervention der Bonner Regierung nicht voll absitzen - die Chemieindustrie wollte auf den Rüstungsexperten und Dr. Dr. honoris causa nicht verzichten. Sehr bald saß er in zahlreichen Aufsichtsräten, und beaufsichtigte noch in den achtziger Jahren die Geschäfte der Feldmühle AG mit. Otto Ambros starb, wie seine Familie bekanntgab, am vorletzten Montag in Mannheim.

Publié dans Articles de Presse

Pour être informé des derniers articles, inscrivez vous :
Commenter cet article