Paul Hafners zweite Hauptrolle

Publié le par NS-Verbrechern auf der Spur

NS-Verbrechern auf der Spur publiziert 11/12/2007 at 02:50

Hafner Paul MariaDer 1923 in Südtirol geborene, ehemalige SS-Obersturmführer und Holocaust-Leugner Paul Maria Hafner lebt seit nunmehr 52 Jahren gut situiert im Norden von Madrid. Seinen Wohnort hat er vermutlich so gewählt, dass ihm die räumliche Nähe zu einer deutschen Schule, der deutschen Buchhandlung und einem deutschen Gastronomiegewerbe ein Stück “Heimat in der Fremde” bietet. Von dort aus unterhält er regen Kontakt zu Gleichgesinnten, darunter Joachim Heyroth [99 J.], der frühere Kombattant in der “Legion Condor”, der sich mit den Bombardements auf das spanische Guernica rühmt, sowie in Marbella untergetauchte militante Neonazis wie Gerd Honsik [66 J.] oder dem ehemaligen Mitglied der SS-Leibstandarte “Adolf Hitler”, Wolfgang Jugler.

Insgeheim hofft Paul Hafner, der Adolf Hitler zur vernünftigsten und gleichwohl “bedeutenste[n] Persönlichkeit der bisherigen Weltgeschichte” verklärt, dass “Deutschland wieder zu einem Reich wird.”

Diese und andere Verheißungen konnte der österreichische Filmemacher Günter Schwaiger dem Altnazi in dem Dokumentafilm „Hafner’s Paradise” [2007] entlocken. Der Journalist Paul Ingendaay glaubt in einigen Phrasen Hafners gar „eine Kindheit voller verdrängter Sexualität, Inzestangst und Inzestbegehren” zu erkennen. Selbstgefällig berichtet Hafner über seinen Eintritt in die SS am 17. Februar 1941. Zu der Frage was er zwischen den Jahren 1941 und 1945 gemacht hat, hält er sich in gellendem Schweigen. Das er unter anderem in den Konzentrationslagern Buchenwald und Dachau war, will er nicht leugnen – was dort geschehen ist und für welche Taten er wohlmöglich die Verantwortung trägt schon. Als ihn schließlich der 83jährige Hans Landauer, ein ehemaliger Häftling des KZ Dachau, an seinem Wohnzimmertisch mit den nationalsozialistischen Verbrechen konfrontiert, muss sich dieser grotsker Weise den Vorwurf gefallen lassen die Shoah überlebt zu haben.

Es bleibt ein ambivalentes Unterfangen, ein authentisches Porträt des ungeschminkten NS-Verbrechers zu zeichnen, welches dem ideologisch verblendeten Altnazi zugleich ein Podium für nationalsozialistische Hetze und revisionistische Propaganda bietet. Ein Interview gibt Auskunft darüber, dass sich der Dokumentafilmer sich dessen durchaus bewusst war: “Das Idealbild seiner selbst zu bauen war für ihn ebenso unmöglich, wie für mich, die Idealfigur vom zerbrochenen Nazi zusammenzubasteln, was fürs Publikum sehr angenehm gewesen wäre. Das entspricht einfach nicht der Realität.” Nach dreizehn Monaten Dreharbeiten und Bearbeitungszeit, während denen sich der gesundheitliche Zustand Hafners deutlich verschlechterte, konnte der Film in einem kleinen Kino Madrids uraufgeführt werden und fortan die Geschichte des unbelehrbaren NS-Täters ins Gedächtnis rufen. Die Bild echauviert sich unterdessen darüber, dass Höfner gleichzeitig Rentenzahlungen aus Spanien, Italien und Deutschland erhalten soll.

Publié dans Articles de Presse

Pour être informé des derniers articles, inscrivez vous :
Commenter cet article