SS-Massaker in Frankreich

Publié le par Der Spiegel

Das Massaker von Oradour gilt als das schwerste Kriegsverbrechen der Deutschen in Frankreich. Nun fahnden Behörden in der Bundesrepublik wieder nach Verantwortlichen, weil in Stasi-Akten neue Hinweise aufgetaucht sind. Ein Überlebender zeigt sich von den Ermittlungen "angenehm überrascht".

Oradour sur Glane

Oradour sur Glane

Dortmund - Es war ein grausames Verbrechen, 642 Menschen kamen ums Leben: Am 10. Juni 1944 gegen 14 Uhr umstellt das SS-Panzerregiment "Der Führer" das Örtchen Oradour-sur-Glane in Westfrankreich, 22 Kilometer von Limoges entfernt. Alle Einwohner werden auf den Marktplatz getrieben, die Männer von den mehr als 450 Frauen und Kindern getrennt. Diese werden in die Dorfkirche gebracht, die Männer in Scheunen und Garagen. Dann beginnt das Morden. Niemand sollte überleben, der Ort ausgelöscht werden - so lautete der Befehl.

Robert Hébras überlebte als einer von wenigen das Massaker - und begrüßt nun die erneute Suche nach Tätern in Deutschland. Er sei "angenehm überrascht", dass die Deutschen noch immer nach den Verantwortlichen fahndeten, sagte Hébras.

Die deutsche Polizei hatte 67 Jahre nach der Bluttat in den vergangenen Wochen Wohnungen Verdächtiger durchsucht. Bei den sechs Männern im Alter von 85 und 86 Jahren wurden aber keine "wesentlichen Beweismittel" aufgefunden, wie die NRW-Zentralstelle für die Aufarbeitung von NS-Massenverbrechen in Dortmund und das Düsseldorfer Landkriminalamt mitteilten. Die Beschuldigten hätten die Beteiligung an dem Kriegsverbrechen bestritten oder seien nicht vernehmungsfähig gewesen.

"Es würde mich wundern, wenn es sich um Befehlsgeber handelte, denn sie hatten damals ungefähr mein Alter, kaum 19 Jahre", sagte Hébras. Die Verdächtigen leben im Großraum Hannover, nahe Berlin, in Köln, bei Bielefeld und bei Darmstadt.

Hinweise in DDR-Akten gefunden

Die aktuellen Ermittlungen kamen durch Hinweise aus der Stasi-Unterlagenbehörde ins Rollen. Dort waren in DDR-Akten Spuren zu dem Fall enthalten, die bei den Ermittlungen in der Bundesrepublik vor der Wende nicht bekannt gewesen seien, hieß es.

1953 hatte die französische Justiz mehrere an dem Massaker Beteiligte in Abwesenheit verurteilt. Gegen den Hauptverantwortlichen, General Heinz Lammerding, wurde die Todesstrafe verhängt. Die Bundesrepublik lieferte ihn jedoch nicht aus, so dass der frühere SS-Mann nach Angaben des französischen Nazi-Jägers Serge Klarsfeld als Spediteur in der Bundesrepublik lebte und "straflos" starb.

Den als "Mörder von Oradour" bekannten Heinz Barth spürte die Stasi in den siebziger Jahren in der DDR auf. 1983 wurde er dort zu lebenslanger Haft verurteilt und zehn Jahre später aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig entlassen. Barth starb im August 2007.

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