Frank Brigitte

Publié le par Mémoires de Guerre

Brigitte Frank (29. Dezember 1895 in Eitorf an der Sieg als Maria Brigitte Herbst ;  9. März 1959 in München) war die Ehefrau des führenden nationalsozialistischen Juristen und Generalgouverneurs von Polen, Hans Frank. Dort trug sie den Spottnamen „Königin von Polen“. Sie ist die Mutter des Schriftstellers und ehemaligen Stern-Redakteurs Niklas Frank, der mehrere Bücher über seine Familie publizierte.

Frank Brigitte

Maria Brigitte Herbst, Rufname „Maria“, kam 1895 als Tochter des Spinnereibesitzers Otto Herbst und dessen Frau Martha, geb. Langer, in Eitorf an der Sieg zur Welt. Knapp zwei Jahre nach ihrer Geburt zog die junge Familie nach Forst (Lausitz), da Martha Herbsts Familie dort erfolgreich im Fleisch- und Wurstvertrieb tätig war. Brigitte hatte vier Geschwister: Else, Martha, Otto und Heinrich. Am 25. Januar 1908 beging ihr Vater Selbstmord. Sie war sehr selbstsicher und unabhängig und strebte schon als junges Mädchen einen höheren Lebensstandard an. Nachdem Herbst früh die Schule verlassen hatte, ging sie bei einem Rechtsanwalt in die Lehre zur Stenotypistin. Während des Ersten Weltkriegs wechselte sie nach Berlin, da sie sich dort bessere Chancen erhoffte. 

In Forst war sie durch gestelztes Benehmen und übertrieben vornehme Kleidung aufgefallen und hoffte nun, sich in die höhere Berliner Gesellschaft zu integrieren. Sie entschied, nur noch mit „Brigitte“ angesprochen zu werden, da ihr „Maria“ zu gewöhnlich war (Zitat: "Nur Dirnen heißen Maria!"). Sie ließ dies nie beim Standesamt offiziell ändern und wurde daher amtlich weiterhin mit Fräulein Maria Herbst angesprochen. Sie arbeitete bei einem Anwalt, der ihr kündigte, nachdem er festgestellt hatte, dass Brigitte in seiner Kanzlei illegal Pelze lagerte. Sie handelte lebenslang fast immer ohne Gewerbeanmeldung mit Pelzwerk. Sie lernte einen verwitweten Leutnant kennen, der eine Sekretärin und eine Aufseherin für seine Kinder suchte. Sie wurde zu seiner Geliebten und siedelte mit ihm nach München über.

Anfang der 1920er Jahre bekam Brigitte Herbst eine Stelle als Stenografin im bayerischen Landtag und später als Sekretärin an der Münchener Universität. Dort tippte sie auch Doktorarbeiten der Studenten ab. Auf diese Weise lernte sie im Mai 1924 den fünf Jahre jüngeren Hans Frank kennen, einen national-gesinnten, antisemitischen Jura-Studenten, der mit der NSDAP sympathisierte. Brigitte hatte gegenüber ihren Freundinnen oft geäußert, sie müsse vor ihrem 30. Geburtstag verheiratet sein. Hans Frank war gerade zum Dr. jur. promoviert und stieg innerhalb der NSDAP zu Hitlers Anwalt auf. Sie selbst hielt nichts vom Nationalsozialismus oder von Hitler, über den sie sich im Familien- und Freundeskreis manchmal lustig machte. Als politisch uninteressierter Mensch spielte es für sie keine Rolle, in welcher Partei ihr Ehemann war. Sie trat nie in die NSDAP oder eine andere nationalsozialistische Organisation ein.

Am 2. April 1925 fand in München die Hochzeit statt. Die Eheleute waren sowohl vom Charakter und der Einstellung wie auch vom Alter und kulturellen Hintergrund her sehr verschieden. Die kühle Preußin Brigitte, die in einfachen Verhältnissen aufgewachsen war und Intimität oder Sensibilität ablehnte, sah sich einem jungen, lebenslustigen Bayern aus einer begüterten Anwaltsfamilie gegenüber, der musisch und sentimental veranlagt war. Die Ehe war nicht sehr herzlich, Frank konnte sich gegenüber seiner dominanten Frau nicht durchsetzen. Zu Beginn der Ehe fehlte es an Geld, doch beide Ehepartner liebten früh Luxus und Repräsentation. Obwohl Brigitte Frank weder mütterliche Gefühle hegte noch besonders kinderlieb war, gebar sie im Verlauf der nächsten Jahre fünf Kinder:

  • Sigrid Frank (* 13. März 1927)
  • Norman Frank (* 3. Juni 1928)
  • Brigitte Frank (* 13. Januar 1935)
  • Michael Frank (* 15. Februar 1937)
  • Niklas Frank (* 9. März 1939)

Brigitte Frank betrachtete ihre Kinder als Legitimation und Rechtfertigung. "Hans, ich habe dir fünf Kinder geboren!" war ihr bevorzugtes Argument, um ihren Ehemann zu etwas zu bewegen. Den Geburten folgten oft lange Kuraufenthalte. Außerdem hatte Brigitte Frank mehrere Abtreibungen, da sie fürchtete, das Kind von einem ihrer Geliebten empfangen zu haben. In solchen Fällen täuschte sie eine Fehl- oder Frühgeburt vor. Zu ihren Geliebten gehörte auch der bekannte Staatsrechtler Carl Schmitt. Die Familie lebte auf einem alten restaurierten Bauernhof, dem „Schoberhof“, in Fischhausen in der bayerischen Gemeinde Neuhaus am Schliersee. Mit Franks Aufstieg innerhalb der Partei nach der Machtergreifung und dem steten Erwerb immer neuer hoher Parteiämter ging ein konstanter Statuszuwachs einher, auf den Brigitte Frank sehr stolz war.

Nachdem Hans Frank am 26. Oktober 1939 zum Generalgouverneur für die besetzten polnischen Gebiete ernannt worden war, zog die Familie Frank am 9. November 1939 auf die königliche Burg von Krakau, den Wawel. Zunächst war das Königsschloss von Warschau als Wohn- und Dienstsitz des Generalgouverneurs vorgesehen worden, doch dann fiel Hitlers Wahl auf den Wawel als Herzstück des alten Polen. Fortan gebärdeten sich die Franks in Polen wie ein tyrannisches Herrscherpaar, Brigitte Frank nannte sich selbst „Königin von Polen“. Sie fuhr im offenen Mercedes in die Ghettos von Krakau und Warschau, wo sie inhaftierten Juden mit falschen Versprechen und unter Drohungen Schmuck, Pelze und andere Wertsachen abnahm. „Es ist für deutsche Frauen eine Lust zu leben“, kommentierte sie. Weder Hans noch Brigitte Frank zeigten Mitleid für Polen oder Juden. Kirchen, Schlösser und Gutshöfe des Landes dienten ihnen als Quelle für kostbare Möbel, Kunstwerke und Schmuck.

Schloss Kressendorf außerhalb von Krakau (vormals im Besitz des Grafen Potocki) diente der Familie als Ferien- und Wochenendsitz. Weitere Familienmitglieder wurden in das Generalgouvernement geholt. Während des Krieges schickte Brigitte Frank massenhaft Lebensmittel zu ihrer Familie nach Forst, teilweise mit dem Sonderzug ihres Gatten. In Berliner Regierungs- und Parteikreisen wurden Vorwürfe laut, das Generalgouvernement sei ein Hort von Korruption und Vetternwirtschaft. Hans langjähriger Mitarbeiter und Brigittes Geliebter, Gouverneur Karl Lasch, wurde wegen Korruption offiziell angeklagt und in Krakau interniert, wo er 1942 unter ungeklärten Umständen starb.

Nachdem Hans Frank 1942 seine Jugendliebe Lilly Groh (1898–1977) wieder getroffen hatte, beabsichtigte er, seine Frau zu verlassen und erneut zu heiraten. Brigitte Frank wollte auf ihren Status als „hohe Frau“, Gattin eines Reichsministers und „erste Frau“ im Generalgouvernement nicht verzichten und reiste nach Berlin, wo sie ein Scheidungsverbot durchsetzte („Lieber bin ich die Witwe als die geschiedene Frau eines Reichsministers!“). Als sie die Geliebte gegenüber dem Reichsführer SS Heinrich Himmler als „Jüdin“ denunzierte, um sie loszuwerden, war das eheliche Verhältnis vollkommen zerrüttet. Hans Frank verbrachte nur noch wenig Zeit mit seiner Familie, da er so oft es ging zu Lilly Groh nach Bayern fuhr. Brigitte Frank war auf dem Wawel nur noch begrenzt geduldet. Brigitte Frank floh Ende 1944 mit ihren Kindern aus dem Generalgouvernement ins bayerische Neuhaus. Hans Frank verließ Krakau am 17. Januar 1945, wurde Anfang Mai in Bayern verhaftet und im November in Nürnberg vor das Hauptkriegsverbrechertribunal gestellt. Er wurde für schuldig befunden und am 16. Oktober 1946 hingerichtet.

Im Mai 1945 überfielen befreite polnische Zwangsarbeiter nachts den Schoberhof und ließen die Familie Frank sich mit dem Rücken zur Wand aufstellen. Brigitte Frank rechnete mit ihrer Erschießung, doch die Eindringlinge ließen von der Familie ab, nachdem sie den Weinkeller des Generalgouverneurs gefunden hatten. Die älteste Tochter Sigrid heiratete im Oktober 1945 im Alter von 18 Jahren. Brigitte Frank lebte auf dem Schoberhof, bis sie im Mai 1947 von den Amerikanern in das Arbeits- und Internierungslager Augsburg-Göggingen gebrachte wurde. Der um Hilfe gebetene Kardinal Faulhaber ließ die Familie mit Lebensmitteln versorgen. Sämtliche Ehefrauen der 1946 verurteilten Hauptkriegsverbrecher (sofern in Bayern ansässig) wurden wegen „Flucht- und Verdunkelungsgefahr“ inhaftiert. Im Lager baute Frank eine enge Freundschaft zu Ilse Heß auf, Emmy Göring dagegen wurde zu einer Intimfeindin. Sie kam 1948 aus der Haft frei, das Verfahren gegen sie endete milde, doch das Vermögen blieb eingezogen. Sie veröffentlichte 1953 das Buch „Im Angesicht des Galgens. Deutung Hitlers und seiner Zeit auf Grund eigener Erlebnisse und Erkenntnisse“, das ihr Ehemann während seiner Haftzeit im Nürnberger Justizgefängnis von 1945 bis 1946 geschrieben hatte. Vom beträchtlichen Vertrieb konnte sie eine Zeit leben. Bis zu ihrem Tod im März 1959 lebte sie am Ende verarmt in München.

Brigitte Franks gleichnamige Tochter starb als erstes der Kinder 46-jährig im Jahr 1981. Offiziell gab die Familie Krebs als Todesursache an, doch halten sich Gerüchte, wonach sie Selbstmord begangen haben soll. Sie hatte oft gesagt, dass sie nicht älter als ihr Vater werden wollte. Michael Frank starb im Alter von 53 Jahren an Organversagen. Im März 2005 veröffentlichte Niklas Frank, der 1987 schon mit einem Buch mit seinem Vater, dem „Polenschlächter“, abgerechnet hatte, auch ein Enthüllungsbuch über seine „deutsche Mutter“, in dem er sie als charakterlose Karrieristin und herzlose Mutter darstellte.

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