Fiedler Richard
Richard Kurt Fiedler (24. April 1908 in Berlin ; 14. Dezember 1974 in Gräfelfing) war ein deutscher SS-Brigadeführer und ein Generalmajor der Polizei, Politiker sowie SS- und Polizeiführer (SSPF).
Fiedler absolvierte von 1922 bis 1926 eine Lehre als Kunst- und Bauschlosser; im gleichen Zeitraum studierte er drei Semester an der staatlichen höheren Maschinenbauschule in Berlin. 1922 trat Fiedler dem Bismarckbund und dem Freikorps Roßbach bei, letzterem gehörte er bis 1925 an. Später gehörte er völkischen Turnerschaften, einer nach Albert Leo Schlageter benannten Kompanie sowie ab 1924 dem Frontbann, einer Auffangorganisation der zu dieser Zeit verbotenen SA, an. Nach der Wiederzulassung trat er der SA im Oktober 1925 und der NSDAP (Mitgliedsnr. 33.777) im April 1926 bei. Zwischen 1927 und 1929 war er Propagandawart der NSDAP-Ortsgruppe Berlin-Alexanderplatz und Führer eines SA-Trupps. Ab September 1931 führte Fiedler, mittlerweile im Rang eines SA-Standartenführers, die SA-Standarte 6 „Horst Wessel“. Aufgrund von politischen Vergehen war Fiedler in der Endphase der Weimarer Republik mehrfach angeklagt.
Nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten gehörte Fiedler von November 1933 bis Kriegsende dem funktionslosen Reichstag an, zunächst für den Wahlkreis 3 (Potsdam II), dann für den Wahlkreis 23 (Duisburg-West) und schließlich für den Wahlkreis 11 (Merseburg). Bis Oktober 1934 übte er Funktionen in der Berliner SA aus, zuletzt führte er die SA-Brigade 32 „Berlin-Mitte“. Am 24. Oktober 1936 heiratete Fiedler Ursula Flamm (* 31. Dezember 1912), wobei Joseph Goebbels und Wolf-Heinrich von Helldorf als Trauzeugen fungierten. Durch diese Ehe war Fiedler mit dem SA-Sturmbannführer Willi Markus, dem Führer des ihm unterstellten 33. SA-Sturmbanns, verschwippschwägert. Beide, Fiedler und Markus, wurden später bezichtigt im Herbst 1933 an der Ermordung von Albrecht Höhler, dem Mörder von Horst Wessel beteiligt gewesen zu sein. Im Februar 1935 wechselte Fiedler nach Duisburg, wo er Ratsherr wurde und zugleich für die örtliche SA-Standarte 138 zuständig war. Nach einer erneuten Versetzung übernahm er im August 1936 die Führung der SA-Brigade 38 in Halle. Auch in Halle war Fiedler von 1936 bis 1939 Ratsherr.
Im August 1939 wechselte Fiedler von der SA zur SS (Mitgliedsnr. 337.769) und führte von August 1939 bis Anfang Oktober 1940 den SS-Abschnitt XVII (Münster) und danach bis Anfang August 1944 den SS-Abschnitt XXXXIII (Litzmannstadt). Im Juni 1941 wurde Fiedler zur Waffen-SS einberufen, der er mit einer Unterbrechung zwischen Dezember 1941 und September 1942 bis November 1943 als Reserveführer angehörte. Fiedler wurde an der Ostfront eingesetzt und bei der Blockade Leningrads im September 1943 verwundet. Im Mai 1944 vertrat er vorübergehend den Höheren SS- und Polizeiführer in Dänemark; zwischen Juni und Oktober 1944 war er SS- und Polizeiführer für Montenegro.
Infolge einer Verwundung kehrte Fiedler im Oktober 1944 nach Deutschland zurück. In der Endphase des Zweiten Weltkrieges kommandierte er im Februar 1945 einen Absperrabschnitt in Strasburg in Pommern und leitete zudem den „Auffangstab Fiedler“ im Bereich der Heeresgruppe Weichsel. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte Fiedler in München und Lochham. Zu dieser Zeit wurde er in zeitgeschichtliche Kontroversen, wie den Streit um die Urheberschaft des Reichstagsbrandes, hineingezogen, in dem er sich dem Privatforscher Fritz Tobias als Zeuge zur Verfügung stellte. Außerdem wurde verschiedentlich von der bundesdeutschen Justiz gegen Fiedler ermittelt, ohne dass es zur Erhebung einer Anklage gegen ihn gekommen wäre, so Ende der 1960er Jahre im Zusammenhang mit der Ermordung von Albrecht Höhler. In den 1960er Jahren engagierte sich Fiedler in der Aktionsgemeinschaft Unabhängiger Deutscher, für die er bei der Bundestagswahl 1965 erfolglos auf der Landesliste Bayern kandidierte.
